Der Beschuldigte merkt in den meisten Fällen erst dann, dass gegen ihn wegen Besitz, Erwerb oder Verbreiten von Kinderpornografie ermittelt wird, wenn Kripobeamte vor seiner Haustür stehen, ihm den Grund der Hausdurchsuchung erläutern und sämtliche seiner Datenträger (PCs, Laptops, DVDs, CDs, USB-Sticks, Smartphones, Handys etc) beschlagnahmen wollen.

Dieser Schock einer Hausdurchsuchung ist für die meisten Beschuldigten ein einschneidendes Ereignis in ihrem Leben, denn nirgendwo wirkt der Eingriff der Staatsmacht drastischer und einschneidender, als in den eigenen vier Wänden. Bei einer Hausdurchsuchung gilt es für den Beschuldigten Ruhe zu bewahren und die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen.

In den letzten 20 Jahren hat das Interesse und die Sensibilisierung der Politik, des Gesetzgebers und vor allem der Bevölkerung, die Drahtzieher, also die Hersteller von Kinderpornografie, dingfest zu machen, stark zugenommen. Diese sitzen meist im Ausland. Von dem logischen Standpunkt aus betrachtet, dass diesen Produzenten nur dann wirksam das Handwerk gelegt werden kann, wenn die Konsumenten und Bezieher von Kinderporno-Material verstärkt strafrechtlich verfolgt werden und so auch indirekt ein Abschreckungseffekt geschaffen wird, verspricht man sich einen Rückgang des zum Teil sogar schweren Missbrauchs der auf Abbildungen und Filmen zur Schau gestellten kindlichen und jugendlichen Opfer.

So wird vor allem im Internet von entsprechend versierten Ermittlern verstärkt nach Webseiten Ausschau gehalten, die kinderpornographisches Material anbieten. Die Server liegen aber in den meisten Fällen nicht in Deutschland, sondern beispielsweise in Russland oder der Ukraine. Wenn mal ein Server in Deutschland oder EU-Ländern "hochgenommen" wird, erfahren die Ermittler die LOG-Daten derjenigen Anschlüsse, die auf Bilder oder Filme der Kinderpornoseite geklickt haben und können über den jeweiligen Provider den Namen des Anschlussinhabers in Erfahrung bringen. Was dann meist folgt ist eine Hausdurchsuchung nach entsprechendem richterlichen Beschluß in der Hoffnung, dass kinderpornografisches Material gefunden und beschlagnahmt werden kann.

So nimmt das Ermittlungsverfahren gegen die Besitzer von kinderpornografisch oder auch jugendpornografisch inkriminiertem Material seinen Lauf. Die beschlagnahmten Datenträger und Speichermedien bleiben in den meisten Fällen mehrere Monaten bis sogar Jahre in den Händen der Ermittler. In letzter Zeit ist hingegen zu beobachten, dass dank eigens bei der Polizei eingerichteten Abteilungen die Auswertung der Datenträger immer schneller vonstatten geht. Das Versenden zum LKA oder externen Firmen ist wohl seltener der Fall.

Die Sanktionen, je nach Art und Anzahl der kinderpornografischen und / oder jugendpornografischen Dateien, können unterschiedlich sein. Sie reichen, je nachdem, ob die Dateien lediglich besessen oder gar auch verbreitet oder Dritten zugänglich gemacht worden sind, von Geldstrafen bis zu Freiheitsstrafen. Nicht zu verharmlosen ist die gesetzgeberische Vorgabe, dass das Verbreiten von kinderpornographischen Schriften mit Freiheitsstrafe ab 3 Monaten bis 10 Jahren belegt ist.

Die eigentliche Strafe ist für viele sicher weniger eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe (zur Bewährung ausgesetzt), sondern die Tatsache, dass man sich bei einer Anklage der Öffentlichkeit im Gerichtssaal stellen muß. Es könnten ja Leute, die einen kennen, zuschauen und so sich das "Geheimnis" in Windeseile verbreiten. Aber auch für die Fälle einer Anklage gibt es gesetzliche Möglichkeiten, das Erscheinen vor dem Richter zu vermeiden.

In den meisten Fällen vereinbaren die Beschuldigten einen Termin in meiner Kanzlei direkt nach der Hausdurchsuchung. Sie beauftragen mich als Strafverteidiger mit dem weiteren Betreiben des Verfahrens. Ab Unterzeichnung der Strafprozeßvollmacht und Verteidigungsanzeige bei Polizei und Staatsanwaltschaft bin ich für diese alleiniger Ansprechpartner für Ihre Angelegenheit, d.h. Sie werden durch mich fortan vertreten und geschützt. Ferner beantrage ich für Sie Akteneinsicht, um zu sehen, was man Ihnen genau vorwirft.

Im weiteren prüfe ich durch Sichtung des Beweismittelordners, ob es sich bei dem sichergestellten Material um straflose Pornographie, Jugendpornographie oder um Kinderpornographie handelt. Ferner ist die Zuordnung der Speichermedien oft schwierig, wenn mehrere in dem Haus des Anschlussinhabers wohnen. Auch ergibt sich aus dem Auswertegutachten, ob es wahrscheinlich ist, dass der Betroffene die kinderpornografischen oder jugendpornografischen Dateien eventuell unbewusst angeklickt oder heruntergeladen hat.

In den von mir verteidigten Verfahren liegt die Einstellungsquote (entspricht in diesem Fall einem Freispruch) sehr hoch, da immer öfter auch Unschuldige in das Visier der Fahnder geraten. In den von mir vertretenen Verfahren ist es bisher noch in keinem einzigen Fall zu einer Veurteilung zu einer Freiheitsstrafe gekommen, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde. Oft konnte das sog. Führungszeugnis von einer Vorstrafe freigehalten werden.